Bitte freundlich

Neulich musste ich eine Hotline anrufen, um etwas zu klären. Ich war ehrlich gesagt etwas muffelig, weil es noch früh war, und weil Komplikationen am Morgen, bevor ich wach bin, nicht so mein Ding sind. Ich rechnete mit:

  1. Langer Wartezeit in der Schleife.
  2. Fieser Dudelmusik während der Wartezeit
  3. Einem Miterbeiter/einer Mitarbeiterin, der/die genauso muffelig war wie ich.
  4. Dass ich mir den Namen des/der MitarbeiterIn noch einmal sagen lassen musste – wegen Murmelns ob der Muffeligkeit
  5. Dass ich nicht die Hilfe/Auskunft bekommen würde, die ich brauchte.

Was wirklich geschah:

  1. Eine Mitarbeiterin meldete sich freundlich, aber nicht wie ein Automat, und so deutlich, dass ich ihren Namen verstand.
  2. Zur Dudelmusik kam es gar nicht erst, weil ich sofort die Mitarbeiterin am Apparat hatte.
  3. Die Mitarbeiterin entschuldigte sich freundlich, aber nicht übertrieben dafür, dass ich das Problem hatte.
  4. Die Mitarbeiterin bemühte sich, mein Problem zu lösen, und zwar mit Erfolg.

Als ich wieder auflegte, das Problem los war und kurz in mich hineinhorchte, stellte ich fest, dass ich nicht mehr muffelig, sondern überaus zufrieden und guter Dinge war.
Ich überlegte kurz und stellte fest, dass ich es in letzter Zeit ziemlich oft mit freundlichen Menschen zu tun gehabt habe an Orten mit Publikumsverkehr.
Im Rathaus des Ortes, wo ich wohne – Weyhe –  sind die Mitarbeiter, mit denen ich schon zu tun hatte (mit einer Ausnahme), alle freundlich und hilfsbereit.
In der Facharztpraxis, die ich regelmäßig aufsuchen muss, ist es auch so, und zwar sowohl „live“ als auch am Telefon.
An den Kassen des Supermarktes unseres Vertrauens sind die KassiererInnen und auch die anderen MitarbeiterInnen fast immer sehr freundlich, und das gilt für den Wochenmarkt – leider mit Ausnahme des Bioland-Standes, was mir persönlich sehr leidtut, weil ich dort deshalb nicht mehr einkaufe.
Manchmal stelle ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn alle offensiv freundlich wären und sich darin von nichts und niemandem irritieren ließen. Ich glaube, der Krankenstand würde drastisch sinken, es gäbe weniger Verkehrsunfälle, Herzinfarkte und Burn-Outs. Die Menschen wären geduldiger und langmütiger und würden weniger um ihren eigenen Vorteil rangeln, und wir wären alle gesünder und würden noch älter werden.
Ich selbst bemühe mich, freundlich zu sein, aber es gelingt mir längst nicht immer.
Wenn ich jedoch ein Erlebnis wie das am Anfang beschriebene habe, dann motiviert mich das sehr, es immer wieder zu versuchen.
Ich möchte, dass Menschen, die mit mir zu tun haben, nicht eingeschüchtert werden oder schlechte Laune bekommen, sondern das Gefühl haben wertvoll zu sein und etwas bewirken zu können.
Mir hilft dabei, an all die Gelegenheiten zu denken, in denen Menschen freundlich zu mir waren.

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