Es bewegt sich ja doch was …

An anderer Stelle hatte ich ja bereits erwähnt, dass ich keine geborene Optimistin bin, dennoch gern ein unbeschwerteres Leben führen möchte und deshalb ein Dankbarkeitstagebuch führe, um meinen Blick für das Schöne, Gelungene und Erfreuliche zu schärfen.
Noch nicht erwähnt habe ich, glaube ich, dass es für mich kaum etwas weniger Erfreuliches gibt als Einzukaufen (dazu zähle ich auch Shoppen … ja, meine Damen, so ist das bei mir, tut mir leid).
Warum ich das erwähne? Weil ich neulich Folgendes erlebt habe:
Mein Tag war vollgepackt mit Arbeit, und ich hatte außerdem eingeplant, ins Fitnessstudio zu gehen (meiner Vita ist zu entnehmen, dass ich das NUR aus Vernunft und kein bisschen aus Spaß an der Freud´ mache. Meistens erledige ich die Angelegenheit in der Mittagszeit, weil es dann leer ist dort und ich es entsprechend schnell hinter mich bringen kann). Als ich kurz vor der Einfahrt zum Fitnesstempel war, sagte mein Körper, der noch von ungewohnten drei Stunden intensiver Gartenarbeit am Vortag etwas mucksch mit mir war: „Das geht heute nicht, Antje. Ein andermal gerne, aber heute nicht.“
Und da ich immer ein bisschen besser lerne, auf meinen Körper zu hören, machte ich auf der Stelle kehrt und fuhr zurück.
Um einmal besonders nett zu sein, weil der Beste sonst immer alle Einkäufe erledigt – vielleicht auch als eine Art Gewissensentlastung nach dem Motto ´irgendwas Fieses muss ich heute zum Ausgleich noch tun´, machte ich einen Abstecher zu Rossmann, um Notwendiges einzukaufen.
Rossmann ist so eine Art Disneyland für mich – bunt und schön, aber nicht meins – was aber wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich so selten einkaufe.
Ich lief also ziemlich planlos durch die Gänge, weil ich mich ja wegen meiner Einkaufsabstinenz auch in keinem dieser Märkte auskenne, musste peinlicherweise mehrmals eine Angestellte fragen, wo Dinge des alltäglichen Gebrauchs waren – und fand selbständig eigentlich nur den Küchenkrepp, weil die Riesenpackungen erstens groß genug waren, dass ich sie sehen konnte, und zweitens als Sonderangebot mit Riesenschild direkt an der Kasse standen.
Als ich alles Notwendige – und natürlich noch dies und das Zusätzliche – im Einkaufswagen hatte, ging ich zur Kasse.
Auf dem Band lagen bereits ein paar Teile, aber die junge Frau an der Kasse forderte mich auf, meine Sachen ruhig schon aufs Band zu legen, weil der Kunde, dem die andern paar Teile gehörten, noch etwas austauschen müsse.
Ich begann also – erleichtert darüber, dass ich nicht lange anstehen musste – meine Sachen auszupacken, als die Kassiererin ein abgrundtiefes: „Was für ein Scheißtag!“ ausstieß. Das kam wirklich irgendwo aus ihrer tiefsten Tiefe und war so eindringlich, dass ich aufblickte … und dann wurde es fast ein bisschen surreal … mich sagen hörte: „Also mir hilft es an solchen Tagen immer, wenn ich gucke, ob nicht auch irgendwas positiv ist.“
Fast hätte ich mich umgeschaut, wer da gesprochen hatte, so irritiert war ich über meine Aussage.
Und weil ich mir selbst ein bisschen peinlich war, fügte ich noch erklärend hinzu: „Also eigentlich bin ich auch von Natur aus gar nicht so ein positiver Mensch, aber ich mache in letzter Zeit die Erfahrung, dass es mir hilft, wenn ich in so einer Stimmung bin, mir bewusst zu machen und Ausschau danach zu halten, was gut ist, und eigentlich finde ich dann immer was.“
Die Kassiererin sah mich nur völlig entgeistert an, und in der Miene des Kunden, der seine Sachen schon auf dem Band hatte, und jetzt wiederkam, stand geschrieben: „Frauen … wie ticken die bloß …?“
Ich packte jedenfalls schnell meine Sachen ein, bezahlte und verließ den Laden.
Beim Auto angekommen musste ich lachen – über mich selbst, weil mir das alles sogar nicht ähnlich sah – und über die Situation. Aber dann wurde mir bewusst, dass die Sache mit dem Dankbarkeitstagebuch anscheinend doch wirkt, und ich mich verändere.

Das finde ich schön.

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