Ich glaube, sie hat recht

 

Ich bin von Natur aus keine Optimistin. Bei mir ist das Glas meist eher halb leer, und das ist keine besonders förderliche Ausgangslage für ein unbeschwertes, fröhliches Leben, wie ich es gerne hätte (Wer nicht!?)
Nach meiner schweren Erkrankung konnte ich zunächst auch all das Gute erkennen, was die Krankheit für mich bewirkt hatte, konnte glücklich darüber sein, noch einmal davongekommen zu sein, mein Leben wertschätzen und dankbar sein.
Leider hat sich diese Haltung mit der Zeit abgenutzt, und das letzte Jahr war schwer – innerlich.
Ich bin von Natur aus aber auch ein Mensch, der nicht bereit ist, Dinge einfach hinzunehmen. Irgendwann werde ich aktiv und frage mich:

– Was will ich anders haben?
– Wie erreiche ich das?

Meine Antworten letztes Jahr waren:

– Ich möchte unbeschwerter leben, mehr Spaß haben, mehr lachen.
– Indem ich auf das schaue, was ich habe und was gut ist.

Ich habe gemerkt, dass Dankbarkeit dabei eine unermessliche Hilfe ist. Ich mache die Erfahrung, dass es immer etwas gibt – wirklich immer – wofür ich dankbar bin.
Und damit das, wofür ich dankbar bin, nicht so rasch in Vergessenheit gerät, habe ich mir ein Heft angelegt, in das ich jeden Abend drei Dinge eintrage, für die ich dankbar bin. Manchmal tue ich das zähneknirschend, und es dauert lange, bis ich drei Punkte zusammen habe, aber meistens könnte ich noch etliche mehr als drei aufschreiben.
Seit etwas über einem Jahr mache ich das jetzt so, und ich merke, wie sich langsam – fast unmerklich – mein Blick verändert und ich tagsüber Punkte „sammle“ für mein Heft. Es wird natürlicher und leichter, auf das zu schauen, was gut ist.
Und außerdem entsteht auf diese Weise auch eine Art Tagebuch. Es macht mir Spaß, z.B. im Oktober letzten Jahres nachzuschauen und dann nochmal Revue passieren zu lassen, was da los war.
Diese Methode ist nicht revolutionär, und dass Dankbarkeit das Leben leichter macht, ist wohl auch eine Binsenweisheit – aber egal, für mich funktioniert es.
Eines meiner Kinder hat mal zu mir gesagt: „Mama, so verkorkst, wie du glaubst, bist du gar nicht.“
Ich glaube, sie hat recht!

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