Leben gegen den Zeitgeist


Leben gegen den Zeitgeist

Manchmal finde ich es schwierig, in einer Zeit und einer Gesellschaft zu leben, die so anders tickt als ich.
Ich brauche nicht viel Aufregung und Abwechslung.
Ich reise – aber nicht oft und irgendwie eher aus Pflichtgefühl (Man muss doch reisen!!).
Ich kann mich sehr für Dinge begeistern, aber nicht ständig.
Ich fahre sehr viel Fahrrad, aber oft dieselben Wege, und dann freue ich mich über die kleinen Veränderungen und oder bedaure sie.
Mit den Abenteuern in meinem Inneren bin ich eigentlich gut ausgelastet.
Ich brauche nicht viele Bilder – im Sinne von Fotos. Was ich erlebe, prägt sich mir eher als Gefühl, Stimmung oder Atmosphäre ein, denn als Bild. Ich erinnere mich eher an Gerüche, Geräusche und Farbeindrücke und habe die entsprechenden Szenen gar nicht so bildhaft im Kopf.
Meistens vergesse ich bei besonderen Anlässen oder Erlebnissen sogar, Fotos zu machen, und nur sehr selten bedauere ich das hinterher.
Blumen oder Blumensträuße, die ich schön finde, sehen auf Fotos sowieso nie so aus wie ich sie fühle.
Ich kann nicht sehr lange sehr viele Menschen gleichzeitig um mich haben, die ich nicht kenne, und ständig Musik im Hintergrund macht mich wahnsinnig.
So gegen den Zeitgeist zu ticken, ist manchmal frustrierend, weil es auch einsam macht. Ich habe lange versucht, mich zu ändern, mir das sprichwörtliche „dickere Fell“ zuzulegen – vergeblich.
Doch dieses Ticken gegen den Zeitgeist kann auch sehr befreiend sein, weil ich merke, es ist echt, und nur so funktioniere ich und kann erfüllt leben. Das entstresst mein Leben kolossal.
Ich habe nichts dagegen, wenn jemand jede Mahlzeit fotografiert, bevor er sie verputzt – so lange ich es nicht auch tun muss und nicht mit auf dem Foto bin. Für visuelle Menschen sind solche Fotos bestimmt eine Freude und steigern den Genuss.
Ich wünsche mir, dass ich weiter meinem Innersten treu bleibe kann – dass ich Verständnislosigkeit darüber mit Verständnis und Humor begegnen kann, und dass der Austausch über solche Unterschiede bei mir und anderen zu mehr Verständnis und Mitgefühl führt.

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