Neugier – Freude – Hoffnung

Es heißt, dass wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund gestorben ist, dann beginnt das Leben.
Dieser Fall ist bei mir Anfang der Woche nun eingetreten und ich bin traurig – wegen des Hundes – aber auch gespannt, ob der Spruch stimmt.
Noch ist es seltsam, dass da niemand mehr ist, der einen begrüßt, wenn man nach Hause kommt, der durch Gassirunden den Tagesrhythmus mitbestimmt und auch hin und wieder für Erheiterung sorgt. Das Hundegrab unter dem Holunder in unserem Garten – ein weiterer Beweis für die Endlichkeit alles Irdischen.

Vierzehn Jahre hat sie – angeschafft, weil eines unserer Kinder eine treue Freundin brauchte, nachdem eine treulose Menschenfreundin ihrer Seele einen schweren Schlag versetzt hatte – zur Familie gehört. Sie blieb auch, nachdem alle Kinder das Haus verlassen hatten – manchmal ebenso Last wie Lust, weil sie sich nicht mit jedem beliebigen Sitter zufriedengab und so gar nicht gern verreiste.
Jetzt sind wir – der Beste und ich – frei und ungebunden. Was fangen wir damit an?
Wir brauchen nicht mehr früh aufzustehen wegen der Hunderunde, nicht mehr abends da zu sein wegen der Hunderunde, wir können Silvester ausgehen, weil wir keinen panischen Hund hüten müssen, und bei unseren Urlaubsunterkünften wird die Auswahl größer.
Das Traurige bietet auch die Chance auf etwas Neues.
Wenn mein Leben bis jetzt geprägt war von vorgegebenen Rhythmen, Aufgaben und Erwartungen, dann ist das jetzt ganz neu.
Wenn ich morgens aufwache, stellt sich mir schon manchmal die Frage, wieso ich aufstehen soll.
Ich muss nicht pünktlich irgendwo sein, weil ich meinem Beruf als Übersetzerin und Autorin zu Hause nachgehe, kann mir den Tag selbst einteilen – für viele Menschen eine traumhafte Vorstellung, und tatsächlich eine privilegierte Art zu arbeiten – aber ich muss mich immer selbst motivieren.
Was mich antreibt, ist meine Neugier. Was mich aufstehen lässt – zugegebenermaßen mal mehr, mal weniger enthusiastisch – ist die Frage, was mich heute wohl erwartet, was mich inspirieren, beschäftigen, zum Lachen bringen und begeistern wird.
Als erstes meistens ein Milchkaffee mit aufgeschäumter Milch – eine sehr starke Motivation, die mich jeden Morgen wieder aufs Neue glücklich macht. Ich kann mich immer wieder neu über dieses wohlige Gefühl freuen.
Auf dem Esstisch stehen immer Blumen, über die ich mich auch jedes Mal – wirklich jedes Mal – freuen kann.
Ich bin allein im Haus (wie gesagt, bis neulich war da außer mir noch der Hund) – und ich bin eigentlich gern allein, und ich bin auch gern in unserem Haus.
Manchmal denke ich nach dem Milchkaffee, wie schade es ist, dass ich meistens den ganzen Tag allein im Haus bin, denn ich mag auch Menschen und wie gesagt – ich lache gern. Aber die Neugier, was der Tag bringt und die Freude über Kaffee, Blumen Gedanken an Menschen und Dinge, die ich liebe, wecken meistens die Hoffnung, dass auch heute etwas für mich dabei ist. Dass mich etwas berühren wird, ich etwas lernen werde, ich eine vielleicht ganz unspektakuläre, aber freundliche Begegnung haben werde. Und letztlich ist es diese Hoffnung, ein Teil von etwas Größerem zu sein, die mich motiviert.
Auch wenn die Frage, wozu ich jetzt eigentlich noch da bin, nachdem die fünf Kinder und der Hund weg sind, manchmal richtig weh tut, ist eben diese Hoffnung – eher Gewissheit – da, dass ich als Teil des Ganzen auch eine Aufgabe habe.
Wenn ich immer wieder neugierig und offen bin für das, was gerade ist, dann entsteht von selbst Freude, und die wiederum weckt Hoffnung, dass da noch etwas Kommt für mich.

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