Nicht immer, aber oft


Als ich heute mit dem Fahrrad unterwegs war, habe ich wieder einmal etwas gelernt.
Nachdem ich ein paar Dinge im Ort erledigt hatte, wollte ich möglichst schnell wieder nach Hause an den Schreibtisch. Ich hatte sehr viele Gedanken im Kopf. Ein paar schöne, aber auch jede Menge – sehr viel mehr – irritierende, ärgerliche, ängstliche.
Ich fuhr also mit meinen vielen Gedanken nach Hause, und zwar auf dem Gehweg, weil sich in meinem Wohnort fast überall Fußgänger und Radfahrer die Gehwege teilen müssen. Auch heute. Und heute – ausgerechnet heute – war es natürlich so, dass ein ganzes Stück vor mir auf dem Gehweg eine Horde von Schulkindern unterwegs war, die so beschäftigt waren mit Herumalbern und Hüpfen und Springen und sich über Schulschluss freuen, dass sie mich nicht bemerkten.
MICH – mit meinen vielen Gedanken und meiner Eile …
Ich merkte, wie ich schon ein ganzes Stück hinter der Gruppe dachte: „Die gehen bestimmt nicht beiseite. Die bemerken mich nicht mal.“
Zu meinen vielen Gedanken kam jetzt also auch noch das innere Wettern hinzu und zusätzlich das unschöne Gefühl, nicht bemerkt zu werden.
Natürlich wusste mein Kopf, dass das Kinder waren – laut und fröhlich und erleichtert – und dass es nicht ihre oberste Priorität war, nach hinten zu schauen, ob da vielleicht eine Radfahrerin vorbei wollte. Aber alles andere außer dem Kopf wollte einfach bemerkt werden und vorbei.
Und genau in dem Moment, als ich klingeln wollte, um mir freie Fahrt zu verschaffen, bogen alle Kinder abrupt in einen kleinen Fußpfad ein. Zack – weg waren sie.
Ich war richtig verblüfft und fühlte mich ein bisschen abgewürgt in meinem inneren Brass.
Aber dann musste ich lachen und dachte:
Ja, so ist das manchmal. Ich bin so beschäftigt mit all den Wenns und Abers und Hindernissen, und sie nehmen oft so viel Raum ein, und zwar schon lange, bevor die eigentliche Situation da ist, und dann sind sie plötzlich weg, ohne mein Zutun – und ich stelle fest, dass meine Sorgen reine Energieverschwendung waren.
Für mich war das noch einmal ein Wink, ruhig ein bisschen sorgloser zu werden und mir erst dann Gedanken über Hindernisse zu machen, wenn sie da sind, und mir nicht einen Teil meiner Lebenszeit mit überflüssigen Sorgen und Bedenken und Einwänden selbst zu vermiesen.
Das geht nicht immer, aber oft!

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