Urlaub mit allem Pipapo

Beim Anblick der ersten Palmen und roten Ziegeldächer, der ockerfarben und bräunlichrot gestrichenen Häuser und der üppigen Oleanderhecken geht mir das Herz auf, und mir kommen beinah die Tränen, obwohl ich eigentlich gar nicht so nah am Wasser gebaut bin.
Unser erster Urlaub seit einigen Jahren.
Wir sind zwar hin und wieder ein paar Tage am Meer gewesen, aber richtig weit weg waren wir schon lange nicht mehr.
Unser Ferienapartment direkt am Seeufer mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Dolomiten ist ein echter Glücksgriff, und nachdem der Einstieg in diesen einwöchigen Urlaub ziemlich holprig war, haben der Beste und ich das Gefühl, dass es jetzt richtig losgehen kann.
Es mag eine Binsenweisheit sein, aber ich staune darüber, wie diese andere Umgebung sofort in meinem Inneren etwas verändert.
Es fällt mir kein bisschen schwer, den Alltag zu Hause hinter mir zu lassen, weil hier alles so anders ist – schön anders. Die mediterranen Farben und Gerüche, im Café zu sitzen und Cappuccino oder Aperol zu trinken, ohne das Gefühl zu haben, eigentlich etwas anderes tun zu müssen, und der Genuss echter italienischer Pizza sind so sättigend für meine Seele, dass ich mich einfach fallen lassen kann.


Lange Spaziergänge am Seeufer bei strahlendem Sonnenschein unter blühenden Bäumen lassen die Kälte und Dunkelheit der vergangenen Wochen vergessen, und ich habe das Gefühl, meine Haut saugt den Sonnenschein gierig auf.
Ich habe andere, neue Gedanken und Ideen, spüre, wie Sorgen und Ängste aus dem Alltag mit Abstand betrachtet längst nicht mehr so bedrohlich sind und bin sehr dankbar für diese freie Zeit fern der Heimat und des Gewohnten, in der sich der Grauschleier, der oft über meinem Alltag liegt, sich lüftet und ich klare bunte Farben sehe.
An unserem letzten Abend gehen der Beste und ich noch einmal in unser Lieblingslokal essen.
Neben uns nimmt eine deutsche Familie Platz. Vater und Mutter mit zwei Jungen, die vielleicht sieben und neun sind. Die Frau und ich schauen uns manchmal an. Wir sind uns spontan sympathisch.
Die Familie bespricht, was bestellt werden soll, und der jüngere der beiden Jungs möchte Pizza Frutti di Mare. Die Mutter runzelt leicht irritiert die Stirn über seinen Wunsch sagt aber nichts.
Als der Junge dann fragt, ob auf einer Pizza Frutti di Mare auch Seegurken sind, schauen die Mutter und ich uns an und müssen beide grinsen.
Das ist ein ganz kurzer Moment, in dem wir beide begeistert sind von ihrem Kind.
Am Ende bestellen die Jungen Spaghetti Bolognese wie es sich gehört und alle sind zufrieden.
Als wir gehen, wünschen wir uns gegenseitig noch einen schönen Abend.
Vielleicht ist so etwas besonders im Urlaub möglich. Kleine, unvoreingenommene Momente purer Freude und Sympathie, aber ich wünsche sie mir auch hier zu Hause.

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